Das Bahnhofsgebäude wird in den Jahren 2019 und 2020 umfassend baulich erneuert.

Ursprüngliche Struktur

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs aus dem Jahr 1879 (Inbetriebnahme) steht mit dem Eintrag in die Denkmalliste seit 1986 unter Denkmalschutz. Als charakteristische Merkmale der damaligen Denkmalschutzstellung werden die Insellage des Gebäudes und die im Stil des Historismus gestaltete Fassade mit den durch hölzerne Streben gestützten Dachüberständen benannt.

Der Ziegelbau besteht aus einem zweieinhalb geschossigen Hauptgebäude und einem eineinhalb geschossigen Flügelbau. Das Gebäude wurde 1876 errichtet und 1906 um einen kleinen eingeschossigen Anbau an der Südseite ergänzt. Der Flügelbau ist komplett unterkellert, das Hauptgebäude ist teilunterkellert. Beide Baukörper besitzen ein Satteldach mit Walmflächen und Nebengiebeln an allen vier Seiten. Außenwände, Kellerwände, Innenwände und Fundamente bestehen aus einem Mauerziegel im Reichsformat 24,5 / 6 / 12. Die Kellerdecke ist als Gewölbekonstruktion mit kleinen Spannweiten ebenfalls aus Mauerziegeln ausgeführt. Die übrigen Geschossdecken und die Dachkonstruktion bestehen aus Holz. Die Dachabdichtung ist eine bituminöse Kaltdachkonstruktion. Der Erdgeschossfußboden ist mit Kunststeinplatten belegt, Fenster, Türen und die Treppe bestehen aus Holz. Die Innenwände sind mit einem Kalkzementputz verputzt. Eine Wärmedämmung oder eine Abdichtung gegen Feuchtigkeit ist nicht vorhanden.

Planungen für den Umbau

Ziel der Umbauarbeiten ist neben der Sanierung der Bausubstanz die Wiederherstellung des historischen Gebäudecharakters. Der Entwurf für die zukünftige Nutzung wurde so angelegt, dass die wenig behutsam durchgeführten baulichen Änderungen der vergangenen Jahrzehnte korrigiert werden können. So werden beispielsweise im Erdgeschoss überdimensionierte Wandöffnungen und Durchbrüche wieder geschlossen und die historischen Bögen, die dem Gebäuderaster folgen und für den ursprünglichen Hallencharakter prägend waren, wiederhergestellt.

Die Gastronomie wird den größten Teil des Erdgeschosses einnehmen. Der Gastraum soll sich in einen Bereich für den zügigen Verzehr mit Selbstbedienung und in einen Sitzbereich mit Bedienung unterteilen. Eine Theke wird es den Gästen ermöglichen, ihre Auswahl aus Speisen und Getränken zu treffen, vor allem bei den Backwaren. Durch die Theke hindurch wird die Küche sehr transparent einsehbar sein. Die Küche erhält eine Vollausstattung zur frischen Zubereitung der Speisen. Die Aufgabe der Gastronomie als Lernort wird bei der Planung von Küche und Gasträumen umfassend berücksichtigt.

Das Treppenhaus bekommt einen zentral gelegenen Aufgang in die Obergeschosse, der viel Licht und Transparenz ermöglichen. Den Gästen soll eine leichte Orientierung ermöglicht werden. Über Hinweistafeln sollen sich ihnen die Aktivitäten im Haus schnell erschließen. Alle drei Geschosse werden mit einem Aufzug barrierefrei erreichbar sein.

Im ersten Obergeschoss erfolgt die Ausgestaltung der Räume so, dass neben der Dorstener Arbeit auch die Vereine sie für ihre Zwecke nutzen können, sowohl als Schulungsräume als auch als Gruppenräume. Am Treppenaufgang werden die Besucher ein Büro der Dorstener Arbeit vorfinden, das auch als Empfang dienen und damit den Gästen die Orientierung erleichtern wird. Im Dachgeschoss werden der Dorstener Arbeit Büros zur Verfügung gestellt.

Die historische Entwicklung des Dorstener Bahnhofs

Im März 1874 erreichte die erste Eisenbahn Dorsten. Nur sechs Jahre später war Dorsten bereits sternförmig in alle vier Himmelsrichtungen von der Eisenbahn erschlossen. Mit ihr kam auch die Industrie: Chemie, Maschinenbau und Bergbau siedelten sich entlang der Bahnlinien an. Drei bedeutende Eisenbahngesellschaften verbanden Dorsten mit der großen Welt, selbst Amsterdam konnte direkt erreicht werden.

Das Bahnhofsgebäude in der Dorstener Innenstadt wurde 1879 von der Rheinischen Eisenbahngesellschaft erbaut und befindet sich als sogenannter Inselbahnhof genau zwischen den beiden Linien der damaligen Rheinischen Bahn, die am 1. Juli 1879 den Betrieb aufnahm, und der Niederländisch-Westfälischen-Eisenbahn, die ein Jahr später am 14. Juni 1880 eröffnet wurde.

Am östlichen Rand der Dorstener Innenstadt gelegen, von eindrucksvoller Größe und hohem historischen Wert, wird der Bahnhof nach seinem Umbau dazu einladen, Menschen zusammen zu führen und Mobilität erlebbar zu machen. Drei Aspekte werden hierbei vereint:

  • Als Ausgangspunkt einer Reise wird der Bahnhof in seinem ursprünglichen Sinne genutzt. Hier warten Reisende auf den Zug und sind geschützt vor Unbilden der Witterung.
  • Als Ort der Ankunft wird der Bahnhof zur Visitenkarte des Ortes.
  • Als bemerkenswertes Gebäude der Eisenbahngeschichte lädt der Bahnhof ein, sich mit Geschichte und Gegenwart zu beschäftigen. Hier können Menschen einander begegnen, gemeinsame Interessen pflegen, Meinungen austauschen und sich in bürgerschaftlichen Projekten engagieren.